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Wie aus Vielfalt ein Dream-Team wird

Erstellt von Karina Caspers |

Der Kurs 2023/26 der Generalistischen Pflegeausbildung (GPA) feierte seinen Abschluss am Bildungshaus Achern unter dem Motto „Dream-Team-Party“

Wie außergewöhnlich dieser Jahrgang ist, bewiesen die 18 Absolventinnen und Absolventen bis zur letzten Minute: Mitten in der intensiven Prüfungszeit organisierten sie ihre Abschiedsfeier weitgehend in Eigenregie. Das Ergebnis verwandelte die Räumlichkeiten des Bildungshauses Achern in eine stilvolle Festkulisse. Dekoriert mit hellblauen und weißen Luftballons, eleganten Tüllschleifen und liebevoll arrangierten, selbstgepflückten Wiesenblumensträußen. Selbst die ehrenamtlichen Lernpatinnen und Lernpaten wurden kurzerhand eingespannt und steuerten selbstgebackene Kuchen zum Buffet bei. 

Zwei Absolventinnen führten als charmantes Moderations-Duo durch das fast dreistündige Programm: Nele Berth, die als jüngste Schülerin mit 16 Jahren Ausbildung begann, und ihre Mitschülerin Mandy Bergmann.

Ein absolutes Highlight des Nachmittags spielte sich im Garten des Bildungshauses ab: Dort führte der Kurs einen mitreißenden Gruppentanz zum Hit „Cotton Eye Joe“ auf. Einen Tanz, den die Auszubildenden einst im Unterricht eingeübt hatten, um als Team zusammenzuwachsen.

 Beim anschließenden Come-together fand AKADEMIE²-Geschäftsführer Andreas Heck Worte, die den Geist des Tages auf den Punkt brachten:

„So eine persönliche und wertschätzende Abschlussfeier habe ich in meiner gesamten beruflichen Laufbahn noch nie erleben dürfen.“


In ihren eigenen Worten: Das sagen die Absolventinnen und Absolventen
 

Wie tief der Reifeprozess dieser drei Jahre ging, machten die Auszubildenden in ihren eigenen, bewegenden Reden deutlich. Kurssprecherin Chythanya Nellur Perumandhitta resümierte: 

„Wenn ich an den Anfang unserer Ausbildung zurückdenke, muss ich ehrlich sagen: Unsere Klasse war manchmal wirklich wie im Krieg. Wir hatten unterschiedliche Meinungen, Kulturen und Sprachbarrieren. Aber mit der Zeit haben wir gelernt, einander zu verstehen. Irgendwann haben wir gemerkt: Wir sind nicht mehr nur eine Klasse – wir sind eine kleine Familie geworden.“

Besonderer Dank galt dabei Kursleiterin Daniela Flößer, die mit Teamtagen und unendlicher Geduld das Fundament für diesen Zusammenhalt legte:

 „Sie war immer für uns da, hat uns zusammengebracht und sich manchmal fast wie eine Mutter um uns gekümmert. Man hat einfach gemerkt, dass sie ihren Beruf mit echter Leidenschaft macht.“

Und auch ihr eigenes Lebensmotto gab die frischgebackene Pflegefachfrau ihren Mitschülern mit auf den Weg: 

„Gut essen, gut schlafen und niemals vergessen, das Leben zu genießen! Wir kümmern uns jeden Tag um andere Menschen – deshalb dürfen wir nicht vergessen, uns auch um uns selbst zu kümmern.“


Bunt wie das Leben
 

Die Vielfalt des Kurses war von Tag eins an prägend: Neben der erst 16-jährigen Nele Berth absolvierte auch Angelique Geldreich-Schehr aus dem nahen Elsass erfolgreich die Ausbildung – sie wurde während der dreijährigen Schulzeit Großmutter.

Was am Anfang durch kulturelle Unterschiede und Sprachhürden herausfordernd war, wuchs durch gegenseitige Unterstützung zusammen: Wer perfekt Deutsch sprach, wurde zum „Vokabeltrainer“, während Mitschülerinnen aus aller Welt neue Perspektiven und ansteckende Lebensfreude einbrachten.


Starke Träger, starke Worte: Das Ortenau Klinikum gratuliert
 

Als Träger der AKADEMIE² begleitete das Ortenau Klinikum die Auszubildenden intensiv durch ihre Praxisphasen. Auf der Bühne machten Sandra Schoor (Bereichsleitung am Ortenau Klinikum Achern) und Julia Krämer (Teamleiterin Praxisanleitung) in einer humorvollen Doppelrede deutlich, was für sie ein wahres Dream-Team ausmacht: 

„Ein Dream-Team besteht ja nicht daraus, dass alle gleich sind. Und gleich seid ihr nun wirklich nicht! Es gibt Junge und Ältere, Ortsansässige und Menschen von weit her. Aber genau das zeigt ein gutes Team: Wenn jemand etwas nicht kann, sagt ein anderer: ‚Komm, ich helfe dir!‘ Bleibt verschieden, bleibt füreinander da – ihr seid gemeinsam einfach richtig gut.“

Auch Praxisanleiter Max Ernst fand bewegende Worte für den Kurs – unterstützt von seiner Kollegin Beate, die sich sogar live aus ihrem Urlaub in Madagaskar zuschaltete. Auf dem Rednerpult hatte er einen Globus mit verschiedenen Playmobil-Figuren platziert, der die weltumspannende Diversität dieser Klasse versinnbildlichte: 

„Vor drei Jahren hat diese Reise begonnen. Ihr seid aus der ganzen Welt zu uns gekommen und wie ihr gereift seid, ist bemerkenswert. Zu sehen, wie ihr auf der Lehrlernstation als Team eine komplette Krankenhausstation eigenständig geleitet habt – das war einfach großartig!“


Pädagogik mit Herzblut: Das Lehrkräfteteam der AKADEMIE²


Dass aus Fremden eine Gemeinschaft wurde, ist auch dem unermüdlichen Einsatz des Pädagogenteams zu verdanken. Geschäftsführer Andreas Heck stellte dabei Kursleiterin Daniela Flößer als beispielhafte Pädagogin heraus. 

Bei der Zeugnisübergabe hobt Daniela Flößer statt abstrakter Prüfungsnoten die individuellen Charakterstärken jedes Einzelnen hervor. Nacheinander liefen die Absolventinnen und Absolventen, begleitet von „ihrem“ persönlichen Musikstück, nach vorne. Bekleidet mit Absolventenhut und Schärpen mit der Aufschrift „Proud to be a nurse“ nahmen sie ihre Examensurkunden entgegen. 

Schulleiterin Anja Bischoff-Schindler betonte in ihrer Ansprache die verbindende Kraft des Pflegeberufs:

„Sie haben einen Beruf gewählt, der wie kein anderer von Menschlichkeit lebt. Pflege ist Herzblut. Sie waren in den schwersten Stunden der zu Pflegenden an ihrer Seite, haben Mut gemacht, getröstet und organisiert. Und genau hier zeigt sich die Stärke Ihrer Internationalität. Pflege kennt keine Grenzen. Schmerz fühlt sich in jeder Kultur gleich an. Ein Lächeln wird auf der ganzen Welt verstanden und die Dankbarkeit eines Pflegeempfängers braucht keine Grammatik. Egal aus welchem Teil der Welt Sie zu uns gekommen sind – heute sprechen wir alle dieselbe Sprache: Die Sprache des Lobes, der Anerkennung und des Stolzes. Die Pflegewelt ist ab heute ein großes Stück reicher und besser, weil es Sie gibt.“ 


Lernpaten & weltweite Verbindungen: Empathie als Schlüssel 


Ein tragender Pfeiler des Acherner Ausbildungsmodells ist das Projekt der ehrenamtlichen Lernpatinnen und Lernpaten, die den Schülerinnen und Schülern seit November 2023 fachlich und menschlich zur Seite standen.

Lernpate Dr. Bernhard Hasel veranschaulichte dies in einer magischen Rede mit einer Puzzle-Metapher: Während Theorie und Praxis den festen Rahmen bilden, ist die Empathie das entscheidende Puzzleteil, das Türen und Herzen öffnet. 

Wie tief diese Empathie verankert ist, zeigte sich auch im Blick auf die Familien: Da viele Angehörige der internationalen Absolventinnen nicht persönlich anreisen konnten, wurde die gesamte Feier per Livestream in alle Welt übertragen.


Ein Dream-Team für die Pflege


Was diesen Jahrgang am Ende so besonders machte, lässt sich vielleicht tatsächlich am besten mit dem Motto seiner Abschlussfeier beschreiben: Dream-Team. Nicht, weil alle gleich sind. Sondern weil sie gelernt haben, ihre Unterschiede als Stärke zu verstehen, füreinander einzustehen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. 

Genau darin liegt auch ein wichtiger Gedanke der Ausbildung an der AKADEMIE²: Pflege lässt sich nicht allein aus Büchern lernen. Sie entsteht im Zusammenspiel von Fachwissen, praktischer Erfahrung, gegenseitigem Respekt und der Fähigkeit, den Menschen hinter jeder Lebensgeschichte zu sehen. 

Und vielleicht ist das die schönste Botschaft dieser Abschlussfeier: Aus Vielfalt ist Gemeinschaft geworden. Aus Mitschülerinnen und Mitschülern ein Team. Und aus einer Ausbildung ein gemeinsamer Start in einen Beruf, in dem genau diese Vielfalt gebraucht wird. 

Wir wünschen unserem Kurs GPA 2023/26 Achern alles Gute für den weiteren Weg – und sind stolz darauf, ein Stück davon begleitet zu haben.